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Freundschaft

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Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern.

[Aristoteles]

Schon im Kindesalter schließen wir Freundschaften. Meist mit Kindern die wir aus der Nachbarschaft, dem Kindergarten, der Schule oder von einem gemeinsamen Hobby kennen. Man verbringt gerne Zeit mit diesen Menschen und zeigt euphorisch, dass man zu dieser Freundschaft steht – sei es in Form von Freundschaftsbüchern, -bändern oder verbal: „Das ist mein/e beste/r Freund/in!“.

Wichtig in diesem Alter sind uns viele Freundschaften. Das, so meint man, signalisiere eine soziale Involvierung, bringe Anerkennung und zeige die eigene Beliebtheit. Im Kindesalter mag das auch noch zutreffen. Wer in seiner Schulzeit von vielen Freunden umringt ist, hat den Einzelgängern oder Außenseitern gegenüber einen Vorteil. Nicht nur als Anlaufstelle, wenn man den Schulhof betritt, auch im Unterricht, in den Pausen oder nach der Schule versüßen einem Freunde den Alltag. Man übersteht die Schulzeit mit den richtigen Freunden leichter, denn ein solches soziales Netz fängt einen auf, wenn es mal brenzlig wird. Freundschaft ist sozusagen ein doppelter Boden.

Was heißt Freundschaft?

Freundschaft ist ein Wort, das manchmal sehr inflationär benutzt wird. Was macht eine Freundschaft aus, wen kann man als Freund bezeichnen, wen nicht und worin liegen die Unterschiede? Zwischen flüchtigen Bekannten, Bekannten, Freunden und engen Freunden liegen für mich große Unterschiede. Es gibt Menschen, die mehr oder weniger mit mir und meinem Leben betraut sind, daraus mehr oder weniger Details wissen, mehr oder weniger Zeit mit mir teilen und somit mehr oder weniger gemeinsame Erinnerungen mit mir geschaffen haben. Das Wie des „Mehr oder Weniger“, dss diese Gruppe ausmacht, ist für mich das Entscheidende. Die einen Menschen begleiten uns ein kleines Wegstück, andere mehrere Etappen. Und es gibt diese ganz besonderen Menschen, mit denen wir Freundschaften eingehen. Dies sind wahre Freundschaften, die ein Leben lang verbinden und ein so festes Band darstellen, das kaum zu zerschlagen ist.

Was echte Freunde für mich ausmachen, ist die Eigenschaft, dass sie nicht nur einen längeren Teil des Weges gemeinsam mit einem gegangen sind, sondern dass man diesen Weg Hand in Hand zurückgelegt hat. Hand in Hand nicht in dem Sinne, dass man aneinander klebt, sich keinen Freiraum lässt und exakt das Selbe tut. Sondern in dem Sinne, dass Freundschaft eine schützende, ein aufhelfende und eine starke Hand sein kann. Sich die Hand reichen ist nicht nur ein Zeichen von Solidarität, sondern auch das einer starken Gemeinschaft.

Freundschaft ist ein Geben und Nehmen. Wahre Freundschaft wiegt nicht ab, wer wie viel gegeben und wer wie viel genommen hat. Wahre Freundschaft ist bedingungslos. Sie ist echt und ehrlich. Wahre Freundschaft bedeutet für mich nicht, keine Meinungsverschiedenheiten zu haben, sich jeden Tag zu sehen oder zu hören, die selben Interessen zu haben und seine Freizeit identisch zu gestalten. Es sind die gemeinsamen Erlebnisse, die guten und vor allem die schlechten Zeiten, die man zusammen durchsteht, die eben verbinden. Freundschaft bedeutet Halt, den man sich gegenseitig gibt, indem man den anderen aufbaut und ihm eine Schulter zum Anlehnen bietet.

Sich selbst sein

Vor echten Freunden muss man sich nicht verstellen, auch nichts beweisen oder den anderen von sich überzeugen. Man ist einfach sich selbst und wird auch genau so akzeptiert – ohne Gemäkel, ohne Verbesserungsvorschläge, ohne Optimierungsbedarf. Und dennoch versuchen Freunde das Beste aus dem anderen herauszuholen. Aber nicht, um ihn zu einem anderen, „besseren“ Menschen zu machen, sondern um ihn selbst von seinem Selbstwert zu überzeugen, ihn in seinem Selbstbewusstsein zu stärken und ihn zu animieren, sich selbst wert zu schätzen. Man will für den anderen nur das Beste und ist dabei bestrebt, sein Bestes für den anderen zugeben. Dabei geht man davon aus, dass der andere auch sein Bestes für einen gibt. Jeder tut dies dabei im Rahmen seiner Möglichkeiten und nicht im Hinblick auf Materielles, sondern in Form von Achtung, Wertschätzung und Beistand. Um das geben zu können, hilft der eigene Background. Erfahrungen, die man selbst gemacht hat, lassen sich besser weitergeben, als angelesene Ratschläge.

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Was kann man einer Freundschaft abverlangen?

Jeder von uns hat seine eigenen Erfahrungen gemacht, hat andere Start- und Rahmenbedingungen, sowie eine andere Psyche. Zudem kommen eine individuelle (Lebens)Einstellung, andere Erwartungen an das Leben ebenso wie Erlebnisse, die uns immens geprägt haben und unserem Leben seine Struktur geben. Das heißt, jeder Mensch ist sein eigenes Unikat. Deshalb kann niemand einen anderen in der Gänze verstehen oder ihm nachfühlen. Jedoch zeichnet die Summe der persönlichen Eigenschaften und Erfahrungen, sowie die Bereitschaft, diese zu teilen und den anderen dadurch zu entlasten, für mich eine Freundschaft aus. Dazu gehören auch Empathie bzw. der Wille dazu, sich in den anderen hineinzuversetzen – auch wenn man nur Bruchteile davon verstehen kann – sowie das Interesse an der Lebensgeschichte des anderen. Nicht immer können beide Partien zeitweise gleichviel in eine Freundschaft investieren. Manchmal nimmt einer mehr, als er zurückgeben kann. In einer aufrichtigen Freundschaft arbeiten beide Partien daran, die Schieflage wieder ins Gleichgewicht zurückzubringen und dafür zu sorgen, dass sich keine Partie ausgenutzt oder bloßgestellt fühlt. Zu einer wahren Freundschaft gehört es für mich auch, immer wieder den gemeinsamen Kurs der Freundschaft zu prüfen, um eventuelle Enttäuschungen abwägen zu können. Freundschaft ist ein Prozess, der sich über die Zeit entwickelt und so Gestalt annimmt. Jedoch bleibt dieser Prozess nie stehen und fordert deshalb auf, sich aktiv mit einer Freundschaft auseinander zu setzen. Merkt man Schwachstellen in einer Freundschaft, die sich durch falsche Vorstellungen, ein nicht zu treffendes Verhalten des anderen oder durch sonstige Verletzungen auftun, ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Diese sollte man aber nicht alleine im stillen Kämmerlein ermitteln, sondern das Gespräch mit dem betroffenen Freund suchen und über die eigenen Gefühle und Wahrnehmungen reden.

Freundschaft ist laut – und leise

Manchmal ist Freundschaft aufgedreht und laut. Man quietscht und kreischt um die Wette, tanzt wie wild zu lauter Musik, lacht und ist wie elektrisiert. Man ist ausgelassen, feiert sich und das Leben und schätzt sein Drumherum wert. Manchmal ist Freundschaft aber auch leise und introvertiert. Man sitzt stillschweigend zusammen in der Bahn, im Auto oder am Meer, geht eigenen Gedanken nach und genießt die Anwesenheit des anderen. Das besondere an solchen Momenten ist, dass man nicht das Gefühl hat, etwas sagen oder tun zu müssen, um diese Stille aufzuheben. Sondern man fühlt sich so, als würde man eine gute Konversation führen, in der man verstanden und bestärkt wird. Solch leise Momente, die sich gut, richtig und befreiend anfühlen, kann man in wahren Freundschaften erfahren. Zudem findet man, unabhängig vom eigenen Gemütszustand, in einer wahren Freundschaft, einen Menschen der mit Verständnis, Enthusiasmus und den richtigen Worten zur Stelle ist. Und das einfach so. Nicht weil man etwas beweisen will oder muss, sondern weil man es aus Leichtigkeit und Freude, aus Empathie und aus Liebe macht.

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Wahre Freundschaft – eine Lebenseinstellung

Wahre Freundschaft ist verständnisvoll, spontan und flexibel. Man passt sich an neue Rahmenbedingungen an, hält an einer Freundschaft fest, auch wenn sich die altbekannten Strukturen ändern. Egal ob ein Umzug, eine neue Liebe, familiäre Umstrukturierungen, der berufliche Durchbruch oder Rückschlag, Veränderungen hervorrufen – echte Freunde packen beherzt mit an, den anderen wieder auf die Beine zu stellen und dessen Gleichgewicht erneut herzustellen. Sie helfen ihm, seine Mitte wiederzufinden. Wahre Freunde sind dabei der bewährte und nicht wegzudenkende Kleber für Herz und Seele, vor allem wenn mal etwas nicht so läuft, wie es geplant war. Wahre Freunde sind der Verstärker, der den Beat, der durch die Adern des anderen fliest, zum Schwingen und den anderen zum Strahlen, Jubeln und auf Touren bringt. Wahre Freundschaft ist spontan vor der Haustüre des anderen zu stehen oder spontan gemeinsam zu verreisen. Wahre Freundschaft bedeutet auch, an die Träume des anderen zu glauben und ihn darin zu bestärken – sei es das eigene Haus in Südfrankreich oder die Bikinifigur. Wahre Freunde sind das Pendant zu einem selbst und gleichzeitig das Puzzleteil, dass einen kompletter macht. Man ist nicht mit jemandem befreundet, weil er einen „Mehrwert“ bringt, Türöffner für eine bestimmte Gesellschaft oder einen besonderen Lebensstil ist, sondern weil man sich dem anderen verbunden und verstanden und vor allem akzeptiert fühlt. Wahre Freundschaft ist ein Gefühl – im besten Fall eins, das immer stärker wird und nie verblasst.

Die Anforderungen und die Rahmenbedingungen für eine Freundschaft legt jeder selbst für sich fest. Auch die Definition, was wahre oder enge Freundschaft bedeutet, ist von Person zu Person unterschiedlich. Was Freundschaft jedoch auszumachen scheint, ist das damit verbundene Gefühl, seinen Seelenverwandten, seine Energiequelle oder seinen Ruhepol gefunden zu haben.

Eines darf man aber nicht vergessen: Wahre Freundschaft ist ein kostbares Geschenk. Sie ist nicht selbstverständlich. Sie funktioniert nur so lange, wie keiner den anderen ausnutzt oder ihm ein solches Gefühl gibt. Sich Respekt und Anerkennung zollen, zu nehmen aber auch zu geben sowie bereit zu sein, eine Freundschaft über lange Zeit hinaus zu pflegen, sind meiner Meinung nach die Basis für eine Freundschaft auf Augenhöhe.

Wer eine solche Freundschaft gefunden hat, sollte sie hegen wie einen Schatz. Denn sie ist es.

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Thema von Nina Klein