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glückl-ICH

Lass mich wieder unbekümmert sein!

Da sitze ich, in einem Wäschekorb, gefüllt mit Wasser, die Haare zu einem verrückt abstehenden Zopf geformt und freue mich unübersehbar über meine Erfrischung im kühlen Nass. Würde man mir heute die gleichen Gegenstände zur Verfügung stellen, würde ich mich wohl kaum so darüber freuen können, wie an diesem Sommertag in meiner Kindheit.

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Sommer 1992

Heute freut man sich nicht mehr über solche Banalitäten. Nein, heute können ähnliche Emotionen nur durch das Außergewöhnliche, das nicht Übliche, das Spezielle hervorgerufen werden. Und nicht nur, weil wir verlernt haben uns über die Simpelhaftigkeit solcher Dinge zu erfreuen, sondern auch weil wir nach mehr streben. Wir wollen zeigen, dass wir uns weiter entwickelt haben. Nach erfolgreicher Schulbahn, Studium oder Ausbildung, sind wir nun erfolgreich im Job und verdienen das entsprechende Geld, um uns mehr zu gönnen. Denn man möchte herausstechen, andere von seiner Exklusivität und seinen Möglichkeiten beeindrucken und dadurch Anerkennung erhalten. Heute geht es um Status, ums Eindruck schinden, ums Prestige und Wohlstand zeigen. Wer sich heute über einen mit Wasser gefüllten Wäschekorb so freut wie man es als kleines Kind tat, wird belächelt, als kindlich, anspruchslos oder gar als primitiv bezeichnet. Denn heute geht es darum, schneller, besser und schöner zu sein.

Es geht ums Konkurrenzdenken, ums Überholen von anderen, ums Erreichen von Zielen, die uns mehr gesteckt worden sind als wir sie uns selbst gesteckt haben. Denn welches Kind, dass sich in seiner Kindheit über einen mit Wasser gefüllten Wäschekorb so sehr gefreut hat, denkt im selben Moment darüber nach, dass es doch viel besser wäre, in einem größeren, schöneren, außergewöhnlicheren Wäschekorb zu sitzen, als den, den es zur Verfügung hat? Es ist glücklich und genau das zählt. Nicht mehr und nicht weniger.

Und ja, ich stecke auch in dieser Spirale des immer besser, schneller und schöner sein wollens. Und es macht mich auch nicht unbedingt glücklicher, sondern zeigt mir viel öfter vor Augen, was ich alles nicht besitze, noch nicht gesehen habe oder nicht so schnell erleben werde. Doch wieso kann ich nicht (wieder) das unbekümmerte Kind sein, das mit einem solch einfachen Plantschbecken so viel Freude hat?

Die Antwort auf diese Frage würde wohl in sozialwissenschaftlichen Untiefen enden und Indikatoren wie gesellschaftlicher Kodex und Entwicklung miteinbeziehen. An gesellschaftlichem Wandel kann ich selbst nur wenig ausrichten. Aber was ich kann, ist unbekümmerter zu sein und mich mehr über die mir vorhandenen Mittel und Wege erfreuen und diese im Maximum nutzen. Denn Zufriedenheit ist der Weg zur Unbekümmertheit. Und dass es funktionieren kann, zeigt uns dieses kleine, lachende und leicht zu erfreuende Kind in seinem Wäschekorb.

Glücklich sein fängt da an, wo wir den Weg des ‚hätte“, „aber“ & „was wäre wenn…“ verlassen und uns bewusst über jeden Schritt, den wir gehen können, freuen. So wie wir es als Kind getan haben!

In diesem Sinne einen schönen und hoffentlich unbekümmerten Sonntag!

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Thema von Nina Klein