b e p r o u d | b e h a p p y | b e y o u

Stadt- oder Landleben?

MEHR STADT, MEHR LAND ODER EINFACH MEHR VON BEIDEM?

IMG_5155 IMG_4190

Immer wieder befinde ich mich im Zwiespalt, wenn ich eine Antwort auf die Frage, wo ich mich wohler fühle – in der Stadt oder auf dem Land – geben soll. Mit der ländlichen Lebenswelt verbinde ich nicht nur meine Heimat sondern auch Gemütlichkeit, Traditionen und großzügigen Wohnraum. Die Stadt hingegen stellt für mich eine dynamische Lebenswelt dar und zeichnet sich durch Modernität, Flexibilität und eine Vielzahl von Möglichkeiten aus. Doch welche der beiden Lebenswelten passt zur eigenen Persönlichkeit, zum Lebensanspruch und was bieten einem die gegensätzlichen Lebenswelten? Um die Vorzüge und Eingeständnisse von Land- und Stadtleben geht es in meinem ersten Blogbeitrag.

Ich komme aus dem Saarland – das schließt aus, dass ich in einer Großstadt aufgewachsen bin und das Landleben nur aus Filmen kenne. So vielfältig und schön das Saarland sein mag – große Städte und das typische Stadtleben gibt es hier allerdings nicht. Die Hauptstadt Saarbrücken zählt rund 177.000 Einwohner und ist deshalb die Stadt im Saarland. Generell lebt das Saarland von seiner Gemütlichkeit, seiner überschaubaren Größe und der Passion zum Essen.

In meinem Dreitausend-Seelen-Dorf finden sich diese Eigenschaften wieder. Ausgestattet mit einer Infrastruktur, die für das tägliche Leben ausreicht, findet man in dem, wegen seines Freizeit- und Naturangebotes, ernannten Naherholungsgebiet vor allem Idylle und Gemütlichkeit. Wälder, Felder und Seen zeichnen hier das Landschaftsbild und laden zu ausgiebigen Spaziergängen, Radtouren oder Ausritten ein. Aufgewachsen bin ich in einem Haus mit großem Garten – ideal für Tierliebhaber wie mich. Mit achtzehn besaß ich neben einem Drahtesel und einem eigenem Pferd, auch die ersten motorisierten Pferdestärken. Zwar ist der öffentliche Nahverkehr in meinem Dorf relativ gut vernetzt, sodass im Halbstundentakt eine Busverbindung zu den nächsten größeren Orten genutzt werden kann. Dennoch ist man ohne ein eigenes Auto recht eingeschränkt, vor allem was den Weg zur Arbeit angeht. Will man zum Shoppen in die nächste Stadt oder mit Freunden etwas unternehmen, sind mehrere Kilometer Anfahrtsweg miteinzukalkulieren, was vor allem das Nachtleben unattraktiver macht.

SELBST GEBACKENER KUCHEN, ROMANTISCHE STOPPELFELDER UND DIE HILFSBEREITE NACHBARSCHAFT – GIBT ES DIESE LANDIDYLLE WIRKLICH?

IMG_3203 IMG_4064

Was ich persönlich am Landleben liebe – das habe ich jedes mal aufs Neue gemerkt, wenn ich nach Großstadtbesuchen wieder zuhause war – ist der Raum, den man um sich hat. Sei es in den eigenen vier Wänden oder der Natur. Parks und andere Grünflächen sind das Highlight in Großstädten und deshalb meist genauso überfüllt, wie die Städte selbst. Auf dem Land ist Natur pur eine Selbstverständlichkeit und so ist es eher selten, dass man sich Feld- und Waldwege mit zig anderen teilen oder anstehen muss, um sich auf einer Parkbank eine Auszeit zu gönnen. Zudem ist das Landleben leiser – vor allem wenn man an die Geräuschkulisse der hoch getakteten Bahnen und Busse denkt. In vielen Illustrierten und Filmen wird das Leben auf dem Land als romantisch und verspielt dargestellt – idyllische Picknicks im Stoppelfeld, selbstgebackene Kuchen mit Zutaten aus eigenem Anbau und hilfsbereite Nachbarn, die sofort zur Stelle sind, wenn man einen platten Reifen hat. Zwar kann man all das auf dem Land erfahren, dennoch sieht für mich die Realität auf dem Lande anders aus. Vor allem die eingeschränkten Ausgehmöglichkeiten, die weiten Anfahrtswege zu größeren Städten und die dadurch vorhandene Abhängigkeit von einem Auto, empfinde ich als Einschränkung.

STADTLUFT SCHNUPPERN

IMG_7396

In der Stadt kennt man diese Einschränkung nicht. Zahlreiche Fortbewegungsmöglichkeiten erleichtern einem das Leben in der Stadt. Bis in die frühen Morgenstunden fahren hier Busse und Bahnen und ermöglichen so ein ausgelassenes Nachtleben. Meine erste Erfahrung mit dem Stadtleben machte ich in einer 150.000 Einwohner starken Stadt. Im Nachhinein betrachtet, war es eine gute Entscheidung, sich als Landei peu a peu an das Stadtleben gewöhnen. Die überschaubare Größe der Stadt sowie die vielen Grünflächen und die schön Landschaft, brachten wenig Entbehrungen sondern viel mehr Vorteile. Bars, Restaurants und Cafés sowie Shoppingmeilen konnten mühelos erreicht werden. Teilweise konnte man sogar nach dem Feiern den Heimweg zu Fuß antreten, so zentral wohnte man. All das versüßte mir das Stadtleben enorm.

STADT IST NICHT GLEICH STADT
„ICH STEH WEIT OBEN AM BALKON
UND SEH DIE ZUKUNFT WEIT UND BREIT
NUR LICHT, STAHL UND BETON
DIE STADT IST NE WG OHNE GEMEINSCHAFTSGEIST
GESTAPELT WIE IN KARTONS LEBT MAN MODERN
EGAL WOHIN MAN REIST“
CLUESO – JEDE STADT

Meine nächste Station machte ich in einer Großstadt. Die Stadt hatte mehr Einwohner, ein großes Freizeitangebot und somit auch viele Touristen. All dies war eine gewaltige Veränderung für mich – hier musste ich nicht nur lernen, mir morgens den Weg zur Arbeit in überfüllten Straßenbahnen zu teilen, sondern auch all die Menschenmassen im Stadtzentrum, beim Shoppen oder beim Café Besuch auszublenden und das Großstadtfeeling zu genießen. Anfangs waren all dies interessante Erfahrungen und ich verstand, wie das Stadtleben funktionierte. Ich genoss all die Vorzüge: Sich spontan auf einen Kaffee treffen, die nächste Bahn zum Shoppen nehmen, morgens zig Möglichkeiten für den Arbeitswegs zu haben oder abends aus einem massigen Angebot an Bars und Clubs den Raum für den Feierabend zu wählen. Irgendwann kam jedoch der Punkt, an dem mich die Menschenmassen und die damit verbundene Anonymität des Einzelnen genauso wie die geringen Möglichkeiten an Erholung in der Natur, zu schaffen machte. Zwar gefiel mir die Kombinationsmöglichkeit, an der nächsten Ecke einen Coffee to go nehmen zu können und sich damit ein Plätzchen im Park zu suchen. Doch Erholung fand ich dort selten. Hier wurde auch das kleinste Fleckchen Natur urbanisiert – angelegte Wege und Blumenbeete, Menschenmassen, die ihre Freizeit draußen genießen wollen und der dort ebenso vorhandene Geräuschpegel, der durch das öffentliche Verkehrsnetz verursacht wird.

DIE GOLDENE MITTE

Mittlerweile bin ich vorübergehend wieder auf dem Land. Zwar kann ich hier mit meinem Hund zig Wege zum Spazieren nutzen aber ohne eigenes Auto stellt sich das Landleben als kompliziert und unattraktiv dar. Ich vermisse das breite Angebot an Cafés und Restaurants genauso wie das abwechslungsreiche Kultur- und Veranstaltungsangebot der Städte. Jedoch habe ich gegen die gute Infrastruktur der Stadt, die Weitsicht über Felder und vor allem eine eigene Ruhe Oase mit frisch zu erntendem Obst getauscht. Ich genieße deshalb erst mal den Frühsommer bei selbst gebackenem Rhabarberkuchen im eigenen Garten und warte auf die nächste Gelegenheit wieder Stadtleben zu schnuppern.

Meine Erfahrungen aus Stadt- und Landleben haben mir gezeigt – ich bin nicht der Landmensch oder der Stadtmensch. Langzeitlich brauche ich vor allem Felder um den weiten, unbebauten Blick genießen zu können. Aber nur Felder machen auch nicht glücklich. Aus der Stadt brauche ich vor allem das breite Angebot an Gastronomie und den Austausch mit Menschen aus aller Welt. Die kompromisslose Entscheidung für die eine und gegen die andere Lebenswelt, kann ich mir für mich langzeitlich nicht vorstellen. Mir gefallen die Vorzüge aus beiden Lebenswelten und deshalb plane ich meine Zukunft in ländlicher Stadtnähe –so weit auf dem Land, dass man das Stadtleben noch ausreichend miterleben kann. Vielleicht findet man mich bald in einem vorstädtischen Reihenhäuschen mit Garten.

Nächster in Artikel

Vorheriger in Artikel

Antworten

© 2017 ninilive

Thema von Nina Klein